Georg Friedrich Händel ist zweifellos die am häufigsten porträtierte Künstlerpersönlichkeit vor
Einführung der Fotografie. Selbst wenn das umstrittene "Chandos-Portrait" sowie das Bildnis nach
Dandridge nicht mitgezählt würden (beide befinden sich im Fitzwilliam Museum, Cambridge), wären
mehr als zehn der als echt überlieferten Porträts als authentisch anzusehen.
Die (wahrscheinlich) früheste Darstellung Händels befindet sich auf einem 1,95 m x 5,05 m
großen Gemälde von Alessandro Piazza im Palazzo Ruspoli, Via del Corso, in Rom [siehe u. a.
Kirkendale, Ursula: Händel bei Ruspoli: Neue Dokumente ... - In: Hjb. 50(2004), S. 309-374] .
Händel selbst ist allerdings nur ein Pünktchen auf diesem riesigen Gemälde, so dass wir hier kaum
von einem Porträt sprechen können. - Immerhin sei hier ein kleiner Ausschnitt mit Händel in der
Mitte einer Personengruppe daraus wiedergegeben.
Alessandro Piazza: Colonella Ruspoli auf der Piazza Santi Apostoli, 9. September 1707
(Auszug)
Ein Vergleich der Physiognomie in den verschiedenen Porträts ist sehr aufschlussreich und
kann sicherlich zu Fragen der Echtheit und der Authentizität beitragen, obwohl dieses Unterfangen
natürlich auf Grund der unterschiedlichen zur Darstellung gebrachten biographischen Zeiträume, der
verschiedenen Formate und Techniken und nicht zuletzt sich unterscheidender Malschulen bzw.
individuell geprägter Malstile sowie der Bedingungen, unter denen die Porträts entstanden sind -
Händel wird sich wohl kaum bereit gefunden haben, dem Maler mehrere Stunden Modell zu sitzen -
mit verbleibenden Ungewissheiten behaftet sein muss. Doch geben einige charakteristische
Merkmale (Kopfform, Augenschnitt, Ohr- und Ohrläppchenform, Muttermal auf der linken Wange) in
einigen Fällen im Kontext mit der Provenienz und anderen überlieferten Details manchen Hinweis auf
Echtheitsfragen.
Unter dem Eindruck solcher Fakten wurden auch die beiden o. g. Porträts im Fitzwilliam Museum
wieder in die Reihe der authentischen Porträts eingereiht. Andere fragliche Porträts (in der
Vergangenheit z. B. William Hogarth und Godfrey Kneller zugeschrieben), blieben
unberücksichtigt, was jedoch nicht heißt, dass deren "Nicht-Authentizität" als bewiesen gelten
darf, im Gegenteil.
Die verbleibenden Fragen bezüglich der ausgewählten Porträts sind den einzelnen Daten der
nachfolgenden ausgewählten chronologisch angeordneten Porträts zu entnehmen.